Demonstranten rufen Slogans während einer Kundgebung der Republikanischen Volkspartei (CHP) gegen die Verhaftung des Bürgermeisters von Istanbul.
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Interview - Yücel: Opposition in der Türkei wird Konflikt weiter austragen

Die Opposition in der Türkei hält an ihren Protesten fest. Der Journalist und Erdoğan-Kritiker Deniz Yücel sagt, eine Rückkehr zum Status vor der Verhaftung İmamoğlus werde es nicht geben.

In der Türkei brodelt es weiter, ausgelöst durch die Absetzung und Verhaftung des beliebten Istanbuler Bürgermeisters Ekrem İmamoğlu. Am Mittwoch hat die Opposition zu einem Einkaufsboykott aufgerufen.

Aus Sicht der Opposition sei der Boykott ein Erfolg gewesen, sagt Deniz Yücel, deutsch-türkischer Journalist bei der Welt-Gruppe. Die Regierung habe hingegen versucht zu zeigen, dass der Kaufboykott daneben gegangen sei. "Gemessen an den Reaktionen der Regierung ist das etwas, was offenbar mehr wehgetan hat als die Massenproteste der vorigen Wochen."

Yücel: In nächster Zeit wird sich Zukunft der Türkei entscheiden

 

Ein Kaufboykott scheine eine gute Strategie der Opposition zu sein, so Yücel: "Man kann schlecht jeden Tag demonstrieren, wenn man nicht die konkrete Aussicht vor Augen hat, die Regierung wirklich zum Rücktritt zu bringen." Außerdem schrecke es ab, wenn die Polizei gewalttätig vorgeht. "Und Boykott ist zum Beispiel etwas, an dem sich jeder, ohne sich selbst irgendwie zu gefährden, beteiligen kann."

Mit Blick auf die Zukunft sagt der Erdoğan-Kritiker: "Eine Rückkehr zur Normalität, zu dem Status vor der Verhaftung von Ekrem İmamoğlu, wird es nicht geben", sagt Yücel. Es gebe in der Türkei eine Eskalation. Auch wenn die Intensität auf der Straße runtergeht, werde die Opposition diesen Konflikt weiter austragen und die Regierung zum Gegenschlag ausholen. "In der nächsten Zeit wird sich entscheiden, wie die Zukunft der Türkei in den nächsten zehn Jahren aussehen wird", so der Welt-Journalist.

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