Interview - Ökonomin zu US-Zöllen: Digitalsteuern keine einfache Lösung
Kann die EU Donald Trumps Zölle mit einer Digitalsteuer kontern? Nein, sagt die Ökonomin Dominika Langenmayr und empfiehlt, mit anderen Handelspartnern ins Gespräch zu kommen.
20 Prozent Zoll auf alle Waren "Made in Europe" und 25 Prozent auf Autos aus EU-Staaten, andere Länder wie China trifft es noch härter: Die Zollpolitik des US-Präsidenten hat bereits dafür gesorgt, dass die Börsen in den Keller gerauscht sind und die Stimmung bei denen, die von diesen Zöllen betroffen sind, ist ebenfalls im Keller.
Langenmayr: Trumps Handelspolitik wird zu keinem "goldenen Zeitalter" führen
Die EU fährt eine Doppelstrategie: Sie will jetzt mit Gegensteuern kontern, setzt aber weiter auf eine Verhandlungslösung. Dominika Langenmayr ist Wirtschaftswissenschaftlerin und lehrt an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Zölle in dieser Höhe habe es zuletzt vor etwas über 100 Jahren gegeben – "die dann auch prompt zu einer Weltwirtschaftskrise geführt haben. Jetzt hoffen wir natürlich alle, dass es diesmal nicht dazu kommt."
Das "goldene Zeitalter", das Trump den Amerikanern versprochen hat, wird es so jedenfalls nicht geben, sagt die Ökonomin: "Mit der Politik, die er jetzt fährt, wird er den Konsumenten in den USA massiv schaden. Die Zölle belasten die Konsumenten dort viel stärker, als sie es uns tun."
Ökonomin: Lieber auf andere Handelspartner setzen
In Europa wird jetzt die Idee einer Digitalsteuer gegen US-Tech-Giganten wie Amazon, Google oder Meta durchgespielt. Langenmayr sieht das kritisch: In einigen europäischen Ländern gebe es bereits eine Digitalsteuer und eine aktuelle Studie zeige, dass diese Steuer in erster Linie von den Konsumenten gezahlt würden, weil die Preise in den Ländern stiegen: "Also auch damit gelingt es uns eigentlich nicht so richtig, die Eigentümer dieser Unternehmen wirklich zu besteuern oder die Unternehmen dazu zu bringen, mehr Steuern zu bezahlen."
Die ganz einfache Lösung für das Problem gebe es nicht, so die Wirtschaftswissenschaftlerin – "und das sind auch die Digitalsteuern nicht." Sinnvoll sei es stattdessen, stärker auf andere Handelspartner zu setzen und mit anderen Ländern ins Gespräch zu kommen.