Interview - Müller (SPD): Wir müssen einen eigenen Weg gehen
Nach dem Wahldebakel der SPD scheidet Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Michael Müller schweren Herzens aus dem Bundestag aus. Zuvor empfiehlt er seiner Partei aber noch, sich nicht nur auf linke Themen zu konzentrieren.
Von knapp 26 Prozent auf gut 16 Prozent abgestürzt - das war das historisch schlechte Ergebnis für die SPD bei der Bundestagswahl. Die Fraktion schrumpft damit von 207 auf 120 Mitglieder. Es scheiden damit also viele Abgeordnete aus. Unter ihnen auch Berlins früherer Regierender Bürgermeister Michael Müller. Bis sich ein neuer Bundestag konstituiert hat, sitzt er aber noch drin.
"Das tut immer noch weh"
Wirklich verdaut hat auch er das Ergebnis nicht: "Das tut immer noch weh, und zwar in jeder Beziehung. […] Wir hatten jetzt eine Fraktionssitzung, wo sich nur noch neun neue Abgeordnete vorgestellt haben. Als ich in den Bundestag gekommen bin, waren es 100 neue. Also man merkt so richtig, was da passiert ist."
Selbst in der ehemaligen SPD-Hochburg Berlin reichte es bei den Zweitstimmen nur zu Platz 5. Man müsse jetzt dennoch den Kopf hochnehmen und überlegen, was man besser machen könne. Dabei stören Müller vor allem die Rufe aus den eigenen Reihen, man müsse jetzt mehr linke Politik machen, weil man rund 500 000 Stimmen an die Linke verloren habe:
Müller: Die Leute wählen das Original
"Das ist ein Irrweg, den Einige seit Jahren gehen, immer zu glauben, man muss nur irgendwas abkupfern. Wir müssen einen eigenen Weg gehen. Es wird von Parteienforschern immer wieder bestätigt: Die Leute wählen das Original – und unser Original muss sein: Den Weg in der gesellschaftlichen, politischen Mitte zu besetzen, als Volkspartei diesen Anspruch zu formulieren. Das haben einige leider immer noch nicht verstanden."
Laut Müller dürfe sich die SPD nicht nur um linke und soziale Themen kümmern, sondern müsse auch die beackern, die im Wahlkampf eine Rolle gespielt hätten: "Wirtschaft, Migration, Außen- und Sicherheitspolitik – das sind Dinge, die dazugehören, wenn man den Anspruch erhebt, als Volkspartei für alle Politik zu machen."