Interview - Fall Prigoschin: Politologin sieht Putins Macht noch stabil
Die meisten Experten sind sich einig: Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin ist höchstwahrscheinlich getötet worden. Insgesamt sei die Macht des russischen Präsidenten Putin "stabiler als man denkt", sagt Russland-Expertin Margarete Klein. Doch der Wagner-Aufstand habe Schwächen offengelegt.
Es sei wahrscheinlich, dass Prigoschin einem gezielten Anschlag zum Opfer gefallen ist, sagt Margarete Klein, Forschungsgruppenleiterin bei der Stiftung Wissenschaft und Politik. "Ich glaube, die Botschaft ist so oder so diejenige, wie sie interpretiert wird: nämlich dass Prigoschin für die Meuterei am 24.6. jetzt getötet wurde." Ein Unfall sei ein eher unwahrscheinliches Szenario.
Putins Macht sei stabiler als man denke. "Aber diese Meuterei hat Schwächen und Dysfunktionalitäten dieses putinschen Systems offengelegt", so die Politikwissenschaftlerin. "Sie hat gezeigt, dass in der Situation der Krise viele nicht wirklich handlungsfähig waren, weil sie auf einen Befehl des Präsidenten gewartet hatten, beispielsweise Gouverneure, die in der Schockstarre waren."
Klein: Meuterei hat Schwächen des Systems gezeigt
Außerdem hätten die Ereignisse gezeigt, dass "ein Konflikt überhaupt so weit eskalieren kann", erklärt Klein. "Dass Wagner-Truppen bis auf mehrere hundert Kilometer an Moskau herangekommen sind - und relativ schnell - zeigt auch, dass die Kontrollierbarkeit der südlichen Regionen und der Grenze nicht in Gänze gesichert war."
Außerdem habe Putin reaktiv gehandelt und nicht aktiv, sagt die Russland-Expertin. Er sei am Schluss erratisch gewesen, also schlingernd in seinem Kurs. "Er hat zuerst die Bestrafung des Verräters gefordert, dann einem Deal zugestimmt", so Klein. "Und das sind Signale der Schwäche, die durchaus gelesen werden."