Das Gebäude der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin
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Kultur - Mitarbeiter der landeseigenen Theater fürchten Privatisierung

Nach den Plänen des Berliner Senats müssen im Kulturbereich dieses Jahr 130 Millionen Euro gespart werden und in den kommenden Jahren nochmals Millionenbeträge. Nun stehen Privatisierungen der landeseigenen Theater im Raum. Von Nathalie Daiber

Der Berliner Senat arbeitet nach rbb-Informationen an einer Neuorganisation der fünf landeseigenen Theater. Die Bühnen - Volksbühne, Deutsches Theater, Maxim-Gorki-Theater, Theater an der Parkaue und das Konzerthaus - bereiten sich aktuell auf Gespräche mit dem Senat über eine mögliche Privatisierung vor.

Dem rbb liegt eine entsprechende Einladung der Kultur-Staatssekretärin Sarah Wedl-Wilson an die Theaterleitungen zu einem Gesprächstermin über Rechtsformen und sogenannte "Shared Services" der Bühnen vor. Weder sie noch der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) haben auf eine Anfrage des rbb zum Ziel der Gespräche geantwortet. Sie bestätigten lediglich den Termin.

Das geplante Treffen findet im Rahmen des im Februar begonnenen Kulturdialogs zwischen dem Regierenden Bürgermeister und den Bühnen statt. Das Gesprächsformat sei "offen" und es würden "unterschiedlichste Ideen" angesprochen, schrieb die Senatsverwaltung für Kultur.

Stiftung für die Theater?

 

Die Gewerkschaft Verdi sowie Mitarbeitende der landeseigenen Theater und kulturpolitische Sprecher der Opposition bewerten die geplanten Gespräche als Zeichen für eine bevorstehende Privatisierung im Zusammenhang mit den Sparmaßnahmen. "Erst ist das Geld in die Waagschale geworfen worden, und jetzt gibt es Debatten über Möglichkeiten der Auslagerung der landeseigenen Theater und des Konzerthauses", sagt die kulturpolitische Sprecherin der Linken, Manuela Schmidt. Nach ihrer Einschätzung könnte das Ziel sein, die Theater in einer Stiftung nach dem Vorbild der Stiftung "Oper in Berlin" zusammenzufassen. Alternativ wäre es auch möglich, die Häuser in gGmbHs wie die Schaubühne oder das Berliner Ensemble umzuwandeln.

Auch eine Zusammenlegung von einzelnen nicht-künstlerischen Abteilungen soll nach Einschätzung von Schmidt zur Diskussion stehen. Dabei geht es laut der dem rbb vorliegenden E-Mail um "Shared Services" bei der Personalverwaltung, der Logistik und den Werkstätten, wo Kostüme und Bühnenbilder entstehen. Ein weiteres Szenario ist, dass alle Werkstätten künftig im bereits bestehenden "Bühnenservice" der Berliner Opernstiftung gebündelt werden könnten.

Gewerkschaft befürchtet schlechtere Arbeitsbedingungen

 

Verdi-Bezirksleiterin Andrea Kühnemann kritisiert im rbb, dass die Personalvertretungen bislang nicht in die Überlegungen eingebunden worden sind. Sie kritisiert eine "mangelhafte Kommunikation und Transparenz" und befürchtet schlechtere Arbeitsbedingungen und einen Abbau von Stellen. Seit März versuche man erfolglos, mit dem Senat über die Gerüchte zu sprechen, um den Ängsten in der Belegschaft zu begegnen.

Derzeit sind an den vier landeseigenen Bühnen und dem landeseigenen Konzerthaus rund 1100 Menschen nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes der Länder (TV-L) beschäftigt. Der Senat sagt auf Anfrage, dass "in den kommenden Wochen und Monaten gemeinsam Lösungen und Strategien für die nächsten Jahre entwickelt werden, um langfristig Planungssicherheit herzustellen", ohne dabei auf konkrete Maßnahmen Bezug zu nehmen.

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