Weltgipfel für Menschen mit Behinderungen - Dusel: "Barrierefreiheit ist ein Qualitätsmerkmal"
Berlin richtet seit Mittwoch den Weltgipfel für Menschen mit Behinderungen aus. Der Behinderten-Beauftragte Jürgen Dusel sagt, Deutschland müsse noch barrierefreier und inklusiver werden.
Im Vergleich zu anderen Ländern habe Deutschland wirtschaftlich gute Rahmenbedingungen für Barrierefreiheit und Inklusion, erklärt Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen. Allerdings sei mit Blick auf die Barrierefreiheit im Personennahverkehr nicht ganz Deutschland wie Berlin: "Da fahren Sie einfach nur 50, 60 Kilometer raus nach Brandenburg aufs Land, da ist es ganz anders."
Deutschland habe durch die UN-Behindertenrechtskonvention Verpflichtungen. Dennoch sei es im vergangenen Jahr von den Vereinten Nationen kritisiert worden, weil es immer noch auf alte Konzepte setze. "Wir haben immer noch sehr viele Institutionen", sagt Dusel. Demnach gehen zum Beispiel viele Kinder mit Förderbedarf auf eine Förderschule und nicht auf eine Regelschule. Aber auch in der Arbeitswelt oder im Bereich Wohnraum sei Deutschland noch nicht inklusiv.
Menschenrechte nicht unter Finanzierungsvorbehalt stellen
"Menschenrechte dürfen nicht unter Finanzierungsvorbehalt gestellt werden". Dusel erklärt als Beispiel, nur ein Bruchteil der gynäkologischen Praxen in Deutschland sei barrierefrei für Frauen im Rollstuhl. "Diese Frauen zahlen im gleichen Maße in die gesetzliche Krankenversicherung ein wie alle anderen auch. Dann ist das nicht nur unfair, sondern das ist einfach ein Verstoß gegen geltendes Recht."
Man diskutiere die Probleme noch immer als ein "Nice-to-have". "Ich will das nicht akzeptieren, dass Menschen mit Behinderung auch in so einem reichen Land wie Deutschland immer noch auf derartige Barrieren stoßen." Dabei gehe es um alle Themenbereiche.
Dusel: Behinderungen können uns alle treffen
Dusel fordert, die gesetzlichen Regelungen zu verändern, denn auf Freiwilligkeit zu setzen, habe in der Vergangenheit nicht getragen. Das beschlossene Infrastrukturgeld wäre laut dem Beauftragten die Chance, allen Menschen in Deutschland zugute zu kommen und in Barrierefreiheit zu investieren.
"Barrierefreiheit ist ein Qualitätsmerkmal." Es müsse auch allen bewusst sein, dass die meisten Menschen erst im Laufe ihres Lebens eine Behinderung erwerben: "Es kann uns alle treffen. Deswegen muss uns allen klar sein, wir machen es nicht für die anderen, sondern für uns", so Dusel.