Fotomontage: US-Flagge und "Strafzölle" auf Einbahnstraßenschild
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Interview - Wirtschaftsforscher: US-Zölle treffen vor allem Amerikaner

Die von US-Präsident Donald Trump aufgerufenen Strafzölle auf alle Autos werden Folgen haben - aber vor allem für die USA selbst, sagt der Wirtschaftsforscher Julian Hinz.

Strafzölle in Höhe von 25 Prozent gelten von Mittwoch an auf Autos, die die USA aus Europa importieren. Die EU hat ihrerseits Gegenmaßnahmen angekündigt. Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat betont: Man habe einen starken Plan in der Schublade - konkreter wurde sie nicht.

Hinz: Zweigleisige Strategie der EU ist sinnvoll

Prof.Julian Hinz leitet das Forschungszentrum Handelspolitik am Kieler Institut für Weltwirtschaft. Er glaubt, dass es der EU gelingen kann, Trump doch noch zu einer Verhandlungslösung zu bringen: "Ich halte die Strategie eigentlich für recht sinnvoll, zu sagen, dass man sowohl Instrumente hat, um sich zu wehren oder um zurückzuschlagen – aber gleichzeitig auch den Kanal offenhält und zu sagen: Wir wollen das eigentlich gar nicht, lass uns doch lieber darüber reden, wie wir Zölle senken und nicht anheben können."

Für die deutschen Verbraucher könnten die Zölle sogar von Vorteil sein: "Wenn weniger gehandelt wird, weniger exportiert wird, heißt das, dass also etwas mehr hierbleibt davon vermutlich, weniger dort abgesetzt wird. Das könnte also zu eher niedrigeren Preisen in der Eurozone führen."

Forscher: Preisniveau in den USA wird signifikant steigen

Negativ wirken sich die Zölle vor allem auf die amerikanische Wirtschaft aus, so Hinz. "Da gibt es unterschiedliche Schätzungen zu, aber es macht sich vor allem dort in den Preisen bemerkbar, das Preisniveau wird wirklich merklich steigen, sollte das alles so durchgezogen werden."

Die europäischen Gegenzölle hätten nur sehr regional beschränkte Auswirkungen – allerdings zielten diese ganz konkret auf Unternehmen ab, die in Wahlbezirken der Republikaner liegen, sagt der Wirtschaftsforscher: "Da möchte man sehr lokal zeigen: Das ist keine gute Idee mit den Zöllen."