Fussgänger gehen im Berliner Bezirk Mitte über die autofreie Friedrichstrasse
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Interview - Mobilitätsforscher: Volksbegehren "Berlin autofrei" geht in richtige Richtung

Das Landesverfassungsgericht Berlin verhandelt am Mittwoch über das Volksbegehren "Berlin autofrei". Der Mobilitätsforscher Andreas Knie sagt, das Begehren sei zu radikal, gehe aber in die richtige Richtung.

Die Initiatoren des "Volksentscheid Berlin autofrei" wollen den Autoverkehr in der Berliner Innenstadt auf die Bundesstraßen beschränken. Auf den anderen Straßen gäbe es dann nur noch Lieferverkehr, Taxen, Müllabfuhr und Polizei- und Rettungsfahrten. Am Mittwoch verhandelt das Landesverfassungsgericht über ein entsprechendes Volksbegehren.

Für Andreas Knie, Mobilitätsforscher am Wissenschaftszentrum Berlin, begrüßt die Initiative: "Es gibt andere Städte, die niederländischen Städte, die skandinavischen Städte, selbst die französischen Städte beginnen, die Menge an Fahrzeugen, die wir uns in den 50er-, 70er-, 80er-Jahren eingehandelt haben, deutlich zu reduzieren. Und da ist Berlin weit hinterher."

Mobilitätsforscher: Haben Luft zum Atmen verloren

 

Im internationalen Standard könne Berlin seine Möglichkeiten nicht nutzen, "weil wir wirklich zu wenig mutig sind", so Knie. In der Radikalität der Initiative "Berlin autofrei" werde das Vorhaben sicher nicht umgesetzt, die Richtung sei aber genau richtig, weniger Autos im Innenstadtbereich zu haben.

Das Auto habe in den vergangenen Jahren allen Verkehrsmitteln den Raum genommen: "Das heißt, wir haben die Luft zum Atmen im wahrsten Sinne des Wortes verloren. Wir haben keinen Raum mehr für Lieferverkehr. Wir haben keinen Raum mehr für öffentliche Dinge." Es gehe um eine Marktplatzfunktion, die eine Stadt ausmache, sagt der Mobilitätsforscher.

Zudem gebe es schon jetzt viele Verlierer der Konzentration auf den Autoverkehr, als Beispiele nennt er Menschen mit Behinderung oder auch Radfahrer. Man müsse den Verkehr unter anderem auch durch eine Parkraumbewirtschaftung für private Autos im öffentlichen Raum reduzieren. Das könne man etwa durch höhere Kosten für Parkplätze umsetzen.

Hintergrund

Verfassungsgericht verhandelt über autofreie Innenstadt

Das Berliner Verfassungsgericht verhandelt ab Mittwoch über ein Volksbegehren für eine autofreie Innenstadt.

Eine Bürgerinitiative will erreichen, dass nach einer Übergangszeit auf fast allen Straßen innerhalb des S-Bahn-Rings nur noch Busse, Straßenbahnen, Fahrräder und Fußgänger unterwegs sein dürfen.

Ausnahmen soll es unter anderem für Polizei, Feuerwehr und Lieferverkehr geben. Die Initiative will, dass die Berlinerinnen und Berliner in einem Volksentscheid darüber abstimmen.

Der Senat hält das Anliegen für verfassungsrechtlich bedenklich und hat deshalb das Gericht eingeschaltet. Ein Urteil ist noch nicht zu erwarten.

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