Interview - Verkehrsexperte: Brauchen Verkehrspolitik mit klarem Kompass
Die Deutsche Bahn stellt am Donnerstag ihre Bilanz für 2024 vor. Verkehrsexperte Jacob Rohm von Germanwatch fordert eine Verkehrspolitik, die vom Ergebnis her denkt.
Am Donnerstag zieht die Bahn Bilanz: Wie steht es um die Baustellen, wie um die Pünktlichkeit der Bahn und wie steht es um die Finanzen? Die Bahn hofft jetzt auf Gelder aus dem Sondervermögen für Infrastruktur, denn bis 2030 sollen alle besonders belasteten Streckenabschnitte erneuert werden.
Im europäischen Vergleich landet die Deutsche Bahn im hinteren Mittelfeld
Jacob Rohm ist Verkehrsexperte bei German Watch, einem gemeinnützigen Verein, der sich für Klimaschutz einsetzt. Er war beteiligt an einem Ranking, das europäische Bahnunternehmen miteinander verglichen hat. "Da hat die Deutsche Bahn im unteren Mittelfeld abgeschnitten", sagt er. Genauer gesagt landet sie auf Platz 17 von 27.
Insbesondere beim Thema Pünktlichkeit habe die Deutsche Bahn sehr schlecht abgeschnitten, erklärt Rohm. Außerdem habe Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten viel zu wenig in die Schiene investiert: "Das Schienennetz ist seit der Bahnreform 1995 um 12 Prozent geschrumpft, während sich der Schienengüterverkehr fast verdoppelt hat und auch der Personenverkehr auf der Schiene massiv gewachsen ist."
Rohm: Verkehrsplanung muss vom Ziel her denken
Deswegen müsste die neue Bundesregierung jetzt umsteuern: "Insbesondere die Mittel aus dem Sondervermögen sollten konsequent in die Sanierung von Schiene und Straße und Wasserstraßen gesteckt werden. Und beim Ausbau muss ausschließlich in die Schiene investiert werden. Das entlastet dann auch die Straßen von LKW-Kolonnen und das entlastet auch die Flughäfen im europäischen Fernverkehr."
Der Experte fordert eine Verkehrspolitik, die einen klaren Kompass hat: "Wichtig ist, dass die Verkehrsplanung vom Ziel her denkt. Die Infrastruktur, die man baut, diese Verkehre wird man auch ernten." Im Entwurf des Koalitionsvertrag stehe drin, dass man Verkehr von der Straße auf die Schiene verlagern wolle. "Wenn sie es damit ernst meinen, dann muss auch die Verkehrsplanung reformiert werden, dass sie wirklich vom Ergebnis und vom Ziel her denkt."