Interview - Verbraucherzentrale: Viele können sich kein Pflegeheim leisten
Über 2500 Euro Eigenanteil müssen Pflegebedürftige und ihre Angehörigen durchschnittlich für einen Platz in einem Pflegeheim bezahlen. Viele können sich das nicht mehr leisten, sagt Thomas Moormann vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Er fordert deswegen von der Politik eine Deckelung der reinen Pflegekosten.
Die Pflege in Deutschland hat sich stark verteuert. Laut dem Verband der Ersatzkassen müssen Menschen für das erste Jahr im Heim jetzt im Schnitt fast 350 Euro mehr im Monat zahlen als im Vergleichszeitraum davor. Durchschnittlich 2550 Euro pro Monat mussten Pflegebedürftige und ihre Familien pro Monat aus eigener Tasche für einen Heimplatz bezahlen.
Verbraucherzentrale: "Die Zahlen sind erschreckend"
Thomas Moormann ist Pflege-Experte beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Er sagt: "Immer weniger können sich das leisten – und das ist natürlich auch das große Problem. Die Pflegeversicherung war nie eine Vollkostenversicherung […], aber die Zahlen, die wir jetzt wieder haben, sind natürlich erschreckend."
Der Hauptgrund für die Kostensteigerung sind die höheren Gehälter für Pflegekräfte – eine richtige Entscheidung, wie Moormann betont. Aber auch Kosten für Investitionen, Unterkunft- und Verpflegungskosten stiegen unaufhörlich weiter.
Forderung an die Politik: Deckelung der reinen Pflegekosten
Den Betroffenen bleibt demnach deswegen oft nur der Gang zum Sozialamt übrig. Eine sonstige Entlastung ist nicht in Sicht. Die Pflegeversicherung sollte ursprünglich die reinen Pflegekosten übernehmen. Doch die Zuschüsse der Pflegekassen reichten nicht einmal dafür aus, so Moormann.
"Das war das Versprechen bei der Einführung der Pflegeversicherung und das wird nicht eingehalten." Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordere deswegen von der Politik eine Deckelung der Pflegekosten.