
Das vernetzte Ich - Minerva - Uni der Zukunft?
Wie sieht die Universität der Zukunft aus? Darüber haben wir mit Studierenden gesprochen, die schon heute etwas Besonderes sind. Sie studieren nämlich an der Minerva-Universität in San Francisco - das heißt: Eigentlich studieren sie nicht dort, sondern an unterschiedlichen Orten in der ganzen Welt, alle paar Monate ziehen sie um. Ihr Lehrstoff ist online, für Seminare treffen sie sich per Videochat, ihre Professoren erreichen sie übers Netz. Gerade absolvieren die Studierenden ein Auslandssemester in Berlin. Wir haben sie getroffen.
Louis, Adrian, Martha und Namrata sitzen in Louis' Kreuzberger Apartment und trinken Kaffee. Die Studierenden sind alle um die 20 Jahre alt und verbringen viel Zeit im Selbststudium, wollen aber keinesfalls auf das Lernen in der Gruppe verzichten, sagt Louis: "Ich würde gerne sehen in 20 Jahren, dass wir mehr Technologie benutzen, aber auch nicht so sehr in unseren eigenen Zimmern sind und ganz alleine studieren auf so einer Plattform. Ich finde auch, wir sollen dann auch persönlich zusammen sein und wir sollen auch Klassen zusammen machen, irgendwie. Da könnte ein Professor so eine Klasse mit einem Roboter unterrichten, wenn er in Colorado oder in Südafrika ist und wir alle zusammen sind, dann können wir in einem Zimmer sein und er macht das halt so.
Nie mehr auswendig lernen - dank Chip im Hirn
Google Hangouts und Skype-Gespräche - längst Alltag für die vier. Martha glaubt, Computerspiele werden in Zukunft wichtiger. Mit Second Life im Soziologiekurs in die Rolle des anderen Geschlechts schlüpfen. Sie kennt da ein Beispiel aus Amerika: "Und als ich das gelesen habe, dachte ich - das ist so spannend: Virtual Reality kann einem die Erfahrung in verschiedenen Welten näher bringen, es erzeugt ein Erlebnis, das Videos nicht leisten können."
Adrian hätte Lust auf 3D-Hologramme im Seminar. Und auf einen intelligenten Chip, den er sich einpflanzen will, sobald das geht. Wenn das auswendig lernen wegfällt, bleibe mehr Zeit für neue Ideen, sagt er: "Ich glaube, das wird die größte Änderung – und muss auch die größte Änderung sein -, dass vieles vom passiven Zuhören im Vorlesungssaal weggeht zum aktiven Anwenden in konkreten Projekten und der Professor wird einen dabei unterstützen und bewerten und Feedback geben.
Minerva-Studierende müssen ständig neue Sprachen lernen
Die Studierenden der Minerva Universität bereisen im Bachelor fast alle Kontinente, müssen ständig neue Sprachen lernen. Namrata träumt von einer Meta-Software, die ihr individuell empfiehlt, welches Programm für sie das Beste wäre: "Zum Beispiel lerne ich gerade Koreanisch, weil wir nächstes Semester in Seoul sein werden. Und es gibt so viele Ressourcen im Netz, dass ich mich häufig frage: Mit welchem Programm kann ich am effektivsten die Sprache lernen?
Wenn es nach den Minerva-Studierenden geht, richtet sich die Hochschule von morgen also nicht nur viel mehr danach, wie Studierende effektiver sein können - sondern sie ist auch zeit- und kostensparend.