Mi, 08.09.2010 | 16:41 Uhr
Ein Lastwagen rangiert vor der Gartenpforte. Robert Shaw und seine Helfer stehen bereit, um die Fracht vom Laderaum auf einen Hubwagen zu hieven. Auf Paletten gestapelt und eingeschweißt: Beete in Bäckerkisten. auf die der urbanen Landwirtschaft traf Robert Shaw in Kuba - Gemüseanbau gehört dort zum Stadtbild. Zurück in Deutschland will er die Idee auf Berlin übertragen. Zusammen mit seinem Kompagnon pachtet er das ehemalige Wertheimgelände am Moritzplatz. Gegen eine monatliche Miete dürfen sie auf dem 6.000 Quadratmeter großen Grundstück gärtnern - zumindest bis sich ein Investor dafür findet, erklärt Shaw: "Für eine Stadt wie Berlin sind Brachflächen Spekulationsobjekte - da muss man darauf reagieren und letztlich auch damit rechnen, dass man wieder weg muss, und dann wäre es schade, alles hier zu lassen, was man an Erde hergekarrt hat. Da sind mobile Beete hervorragend, und weil sie auch unabhängig vom Boden sind, kann man ganz andere Flächen begärtnern wie Hausdächer oder Parkplätze."
Gärnter Matthias Wilkens wässert seine Pflänzchen. Salat, Radieschen und Fenchel wachsen in einem Hochbeet aus Brotkisten, Kartoffeln und Bohnen sprießen hingegen im Reissack. Das Kunststoffgewebe ist lebensmittelecht und wasserdurchlässig, wie Wilkens erklärt. Erde und Saatgut sind bio-zertifiziert. 20 verschiedene Tomatensorten, 14 unterschiedliche Minzpflanzen: Dem Team ist die Vielfalt der Pflanzen wichtig, erklärt Wilkens: "Das sind altweltliche Bohnen, und zwar eine in Frankreich weiter gezüchtete Vigna-Art, die soll angeblich bis zu 60 cm lange Schoten bekommen - darauf sind wir sehr gespannt."
Das reife Gemüse können Besucher eigenhändig ernten und bei den Gärtnern bezahlen - oder sie nehmen gleich ein ganzes Beet im Reissack mit. Kräuter stehen in einer umfunktionierten Milchtüte bereit. Unter ein paar Bäumen betreiben die Männer auch ein kleines Gartencafé, wo sie ihre Ernte direkt weiterverarbeiten. Doch Robert Shaw geht es nicht allein ums Gemüse: "Nutzpflanzen sind ein tolles Instrument, das Menschen interessiert, das auch mich interessiert, das aufregend ist. Aber es geht im Grunde genommen darum, dass man mit seinem Umfeld zusammen Dinge in die Hand nimmt, nicht wartet, und sich einfach Orte aneignet und gestaltet."
Nomadisch Grün versteht sich als gemeinnütziges Unternehmen, das ökonomisch, ökologisch und sozial arbeitet. Die Vision der Gärtner: Gemeinsam eine neue Stadt pflanzen.
Franziska Ritter über die urbanen Landwirte vom Moritzplatz. Wer im Prinzessinnengarten mitpflanzen möchte, kann donnerstags um 15.00 Uhr zu einer Sprechstunde vorbeikommen. Das Gartencafé hat täglich ab 13.00 Uhr geöffnet.