Shila Behjat vor ihrem Berliner Büro (Bild: IMAGO/Funke Foto Services/Sergej Glanze)
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Matthay fragt. - Shila Behjat: Söhne großziehen als Feministin

Wie erzieht man Jungen zu Männern, die sich nicht mehr für das Maß aller Dinge halten und die Frauen gleichwertig begegnen? Mehr noch: Welche Herausforderung bedeutet es für eine entschiedene Feministin, Mutter von Söhnen zu sein? Sabina Matthay fragt Shila Behjat, Publizistin, Feministin und Mutter zweier Söhne.

Am Weltfrauentag wird alljährlich daran erinnert, dass Frauen auf dem Weg zur Gleichberechtigung in den vergangenen Jahrzehnten viel erreicht haben. Dieses Ziel vollständig zu verwirklichen, dazu bedarf es auch der Männer, sagt die Publizistin und Feministin Shila Behjat: "Die Männer müssen uns da zur Seite stehen, die müssen uns unterstützen. Sie müssen verstehen, dass sie auch Opfer von dieser männlichen Gewalt sind, auch Opfer von diesen Strukturen sind. Und ich denke aber dann wiederum, dass wir das nur können, indem wir diese ganz groben Vorverurteilungen gegen Männer, diese sehr verallgemeinerten Vorurteile gegen Männer abbauen und an Jungs denselben Anspruch haben wie an Mädchen und an Frauen - dass sie empathisch sein können, dass sie sich um Menschen sorgen können, dass sie liebevoll sein können und kooperativ und all dies sein können."

Söhne erziehen

Gleichberechtigung wird es nur mit Männern geben, die Frauen als gleichwertig begegnen. Das ist auch eine Erziehungsaufgabe für Eltern von Söhnen. Shila Behjat, selbst Mutter zweier Söhne, sagt über ihr Erziehungsziel: "Mir geht es wirklich darum, empathische Menschen zu erziehen, die sich aber durchaus dieser Rolle als Mann bewusst sind. Die verstehen, das es nicht ausreicht, empathisch mit Frauen zum Beispiel zu sein, weil sie bedroht oder benachteiligt werden, sondern die natürlich verstehen, dass diese Bedrohung und Benachteiligung vor allem von Männern ausgeht."

Zugleich ist es auch Aufgabe von Eltern, das Ziel der Gleichberechtigung zu verwirklichen. Doch gerade Väter hätten bisher versäumt, Vorbilder neuen Zuschnitts für ihre Söhne zu sein, meint Behjat: "Das ist mein absoluter Appell, auch an dieser Stelle: Sie müssen dort eintreten und sie müssen auch in einer großen Vielfalt diese Personen sein, die die Beispiele für die Männer von morgen sein können."

Feminismus und Männlichkeit

Der Weg zur vollständigen Gleichberechtigung sei noch weit, darin liegt nach Ansicht von Behjat eine Aufgabe für die Frauenbewegung: Der Feminismus müsse sich stärker mit Männlichkeit auseinandersetzen, statt sie zu verteufeln. "Dieses große Verteufeln hat natürlich dafür gesorgt, dass wir dieses Männlichkeitsdilemma auch gar nicht anfassen wollen. Es ist auch nicht cool, ein Mann zu sein. Ich zum Beispiel bin wahnsinnig gerne heutzutage eine Frau. Ich möchte kein Mann sein. Und trotzdem müssen wir uns ja damit beschäftigen. Wir überlassen dieses Thema Menschen, (...) die an dieses Männlichkeitsbild und an diese Verunsicherung von Männern plötzlich wieder Themen knüpften, wie Rassismus (...), wie Frauenfeindlichkeit. Und das dürfen wir gar nicht zulassen."

 

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